Fragen und Antworten zur Cannabis-Abstinenz
Cannabis ist die weltweit häufigste konsumierte illegale Droge. Über 0,5 % aller Erwachsenen weltweit rauchen Cannabis täglich und nahezu 20 % sind von der Substanz abhängig. Mal eben nach Amsterdam und einen Cookie im Coffeeshop genießen, das gemeinsame Abhängen auf der Parkbank mit einem Joint in der Hand oder der Konsum mit Freunden auf der Party am Wochenende: Im Gegensatz zu härteren Drogen sind Marihuana und Haschisch deutlich leichter verfügbar. Dazu kommt, dass das Rauchen eines Joints unter Jugendlichen als cool und trendy gilt. Durch den im Laufe der Jahre permanent gestiegenen THC-Gehalt und immer neue auf den Markt drängende synthetische Designerdrogen wird die Gefährlichkeit des Cannabiskonsums allerdings häufig unterschätzt.
Der Begriff „Cannabis-Entzug“ wird vielfach synonym für eine Cannabis-Entgiftung verwendet. Dies ist allerdings nur bedingt richtig, denn die Entgiftungsbehandlung ist lediglich der körperliche Entzug, d. h. der erste Schritt, um mit dem Kiffen aufzuhören. Um das mit einer Abhängigkeit verbundene starke Verlangen in den Griff zu bekommen, ist es wichtig, sich ebenfalls mit den Suchtursachen auseinanderzusetzen, d. h. zu hinterfragen, weshalb überhaupt zum Cannabis gegriffen wurde. Die Gründe können dabei von Mensch zu Mensch unterschiedlich sein. Während bei einigen Suchtkranken die falschen Freunde den Anstoß zum Konsum geben, wird die Droge in anderen Fällen zur Stressbewältigung und Entspannung geraucht. Zur erfolgreichen Therapie einer Cannabisabhängigkeit müssen demzufolge die individuellen Auslöser in einer Psychotherapie aufgearbeitet und durch „gesunde“ Verhaltensmuster ersetzt werden. Hier spricht man auch von einer Entwöhnung (Privatkliniken) oder einer Suchtrehabilitation (öffentliche Einrichtungen). Werden beide Behandlungen zusammen bzw. nacheinander durchgeführt, handelt es sich um einen qualifizierten Entzug.
Stark gefährdet durch Cannabis sind junge Menschen in der Pubertät, bei denen sich das Gehirn sowieso in einer neuronalen Umbauphase befindet und daher leicht aus dem Gleichgewicht gebracht werden kann. Dass ein starker
Suchtkranke, die sich für einen stationären Aufenthalt entscheiden, haben die Wahl zwischen öffentlichen Einrichtungen und privaten Cannabis-Entzug-Kliniken. Öffentliche Kliniken kommen immer dann infrage, wenn die Kosten für die Suchttherapie von Krankenkasse (Entgiftung) und Rentenkasse (Suchtrehabilitation) übernommen werden. Zwar ist eine solche Behandlung günstiger als der Entzug in einer Privatklinik, dafür aber auch mit zwei entscheidenden Nachteilen verbunden. Zum einen werden die Entgiftungs- und Entwöhnungsbehandlung in verschiedenen Einrichtungen und bei unterschiedlichen Ärzten und Therapeuten durchgeführt, zum anderen verläuft die Behandlung weniger intensiv. Zwischen beiden Behandlungsschritten liegt meist eine mehrwöchige Wartezeit, in der der Suchtkranke nach wie vor mit seinem Verlangen nach der Droge konfrontiert wird. Bei vielen Kiffern führt dies zu einem Rezidiv in alte Konsummuster.