Welche Substanzen werden bei einem Alkoholentzug eingesetzt?
Wer eine Alkoholabhängigkeit bekämpfen und sich aus der Suchtspirale lösen möchte, fürchtet sich oft vor den möglichen Nebenwirkungen, den sogenannten Entzugserscheinungen oder Entzugssymptomen. Insbesondere für das stationären Setting gibt es allerdings Medikamente, die Symptome lindern und die Entgiftung erträglicher machen können. Zudem verhindern sie das Auftreten von potenziell lebensbedrohlichen Nebenwirkungen des Entzugs.
Clomethiazol – Der Wirkstoff Clomethiazol wird häufig in Form von Distraneurin®-Tabletten verabreicht. Es handelt sich um ein Mittel, das sedierend, hypnotisch und antikonvulsiv wirkt, indem es den inhibitorischen Effekt von GABA und Glycin verstärkt3. In Verbindung mit Antipsychotika kann Clomethiazol auch bei Patienten mit Delir eingesetzt werden. Zu beachten ist allerdings, dass der Wirkstoff selbst ein signifikantes Abhängigkeitspotenzial birgt. Deshalb werden Kapseln mit dem Wirkstoff Clomethiazol normalerweise nicht bei einem ambulanten Entzug verabreicht und schon nach kurzer Zeit wieder ausgeschlichen.
Benzodiazepine – Benzodiazepine sind eine Arzneimittelgruppe, die in erster Linie für ihre sedierenden Effekte bekannt sind. Als Tabletten für den Alkoholentzug kommen sie sowohl zur Linderung von allgemeinen Entzugssymptomen in Betracht, können aber auch das Risiko für Delirien und Krampfanfälle minimieren. Aktuelle Studien zeigen, dass beispielsweise Oxazepam, verglichen mit Clomethiazol, gleich wirksam ist, allerdings ein besseres Nebenwirkungsprofil aufweist4. Nichtsdestotrotz bergen auch Benzodiazepine selbst ein Suchtpotenzial, weshalb sie nur streng kontrolliert und zeitlich begrenzt eingesetzt werden sollten.
Weitere Medikamente im Alkoholentzug – Es existiert eine Reihe weiterer Arzneimittel, die für den Alkoholentzug zur Verfügung stehen. Welche von ihnen wann zum Einsatz kommen, hängt davon ab, wie schwer die Entzugserscheinungen sind, unter denen der Patient leidet. Die meisten Medikamente sind ausschließlich der Behandlung im stationären Setting vorbehalten. Dazu gehören
- Antipsychotika: zum Beispiel Haloperidol bei Wahnvorstellungen
- Antikonvulsiva: zum Beispiel Carbamazepin bei Krampfanfällen
- Beta-Blocker: zum Beispiel Propranolol bei erhöhtem Sympathikotonus
- Clonidin: bei erhöhtem Sympathikotonus
- Tiaprid: bei vegetativen Symptomen (in Kombination mit Carbamazepin)
Bei vielen Patienten, die bei einer Abhängigkeit von Alkohol Medikamente im Entzug nutzen, besteht anschließend das Problem einer Suchtverschiebung, wenn sie während der Behandlung Wirkstoffe einnehmen, die ebenfalls ein Abhängigkeitspotenzial bergen (zum Beispiel Benzodiazepine). Durch die Kombination von Tiaprid und Antikonvulsiva kann dem vorgebeugt werden, bei individuell gleichermaßen positiven Ergebnissen5.