Alkoholentzug-Symptome

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Aktualisiert am: 05.01.2024
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Alkoholentzug-Symptome: alles Wichtige in 30 sec.

  • Ein Alkoholentzug geht meist mit belastenden Symptomen einher,
    die in Intensität und Dauer variieren können.
  • Erste Entzugssymptome treten rund 6 Stunden nach dem letzten Alkoholkonsum auf.
  • Die meisten Beschwerden klingen binnen einer Woche ab.
  • Medikamente können die Entzugsnebenwirkungen lindern und Komplikationen verhindern.
  • Alkoholentzug-Symptome können in schweren Fällen lebensgefährlich werden (Delirium tremens), weshalb kein unbegleiteter Entzug durchgeführt werden sollte.
Inhalt

    Was versteht man unter Alkoholentzug-Symptomen?

    Alkoholentzug-Symptome oder Entzugserscheinungen werden in der Fachsprache unter dem Begriff Alkoholentzugssyndrom zusammengefasst. Es handelt sich um eine Reihe von Erscheinungen, die bei Unterbrechung oder Reduktion des gewohnten Alkoholkonsums einsetzen, aber auch bei Neugeborenen von Alkoholikerinnen auftreten können. Typisch sind körperliche Beschwerden wie Muskelschmerzen, Tremor und Schweißausbrüche sowie psychische Symptome wie Unruhe, Schlafstörungen oder depressive Verstimmungen. Die Dauer der Beschwerden reicht von mehreren Tagen bis hin zu Wochen. Bei einem begleiteten Entzug können die Symptome durch Medikamente gelindert werden.

    Wie entstehen Alkoholentzug-Symptome?

    Als psychoaktive Substanz beeinflusst Alkohol die chemische Balance im zentralen Nervensystem. Er besitzt eine dämpfende Wirkung, weil er zum einen die GABA-erge Neurotransmission verstärkt und zum anderen die Wirkung von erregenden Neurotransmittern wie Glutamat oder Nordadrenalin blockiert1.

    Das Gehirn passt sich an diese Effekte an, indem es zum Beispiel die Anzahl an Rezeptoren oder deren Sensibilität sowie die eigenständige Ausschüttung von Neurotransmittern verändert. Wird der Alkoholkonsum dann im Rahmen eines Alkoholentzugs beendet oder signifikant unterbrochen, kommt es zu einer Übererregung im zentralen Nervensystem, die sich durch Alkoholentzug-Symptome äußert.

    Wer leidet unter Alkoholentzug-Symptomen?

    alkoholsucht_anspracheOb und wie stark Patienten während eines Alkoholentzugs unter Symptomen leiden, ist sehr verschieden. Die individuelle Verfassung kann genauso einflussgebend sein wie die Alkoholmenge, die regelmäßig konsumiert wird, oder die Dauer der Alkoholabhängigkeit. In der Regel müssen Menschen mit langjährigem Alkoholabusus meist mit schwereren Entzugserscheinungen rechnen als Betroffene, die noch nicht so lange oder geringere Mengen trinken. Werden zusätzlich zum Alkohol weitere psychoaktive Substanzen (zum Beispiel illegale Drogen) konsumiert, erhöht sich das Risiko für belastende Symptome beim Alkoholentzug.

    Wann treten Symptome beim Alkoholentzug auf?

    Der Zeitpunkt für das Auftreten der ersten Symptome beim Alkoholentzug ist individuell verschieden und kann variieren. In den meisten Fällen kommt es zu folgenden Alkoholentzug-Symptom-Phasen, die sich wie folgt darstellen. Wichtig: Nicht alle der folgenden Symptome treten bei einem Alkoholentzug auf. Sollten sich die Beschwerden manifestieren, folgen sie jedoch meist dem folgenden Zeitschema2:

    • 6 Stunden nach Beginn des Entzugs: Erste Entzugserscheinungen treten auf. Typisch sind Zittern, Kopfschmerzen, Muskelschwäche, Schwitzen.
    • 12 bis 24 Stunden nach Beginn des Entzugs: Ggf. Alkoholhalluzinose mit Halluzinationen und Bewusstseinsveränderungen.
    • 48 bis 72 Stunden nach Beginn des Entzugs in Abhängigkeit von der Schwere der Alkoholabhängigkeit: Risiko eines Delirium tremens mit Angstanfällen, Verwirrung, erhöhtem Puls und Temperatur sowie starken Schweißausbrüchen (kann lebensbedrohlich werden)

    Für die meisten Patienten treten die Alkoholentzug-Symptome in Phasen auf, die interindividuell ähnlich sind. Zumeist erweist sich der zweite bis dritte Tag des Entzugs als besonders belastend, da die Symptome hier ihren Höhepunkt erreichen. Anschließend tritt oftmals eine schnelle Besserung ein, sodass Betroffene bereits nach 7 Tagen frei von körperlichen Beschwerden sind. Zu diesem Zeitpunkt gilt die körperliche Alkoholentgiftung als abgeschlossen. Psychische Symptome können allerdings länger andauern.

    Wie gefährlich sind die Alkohol-Entzugserscheinungen?

    Wer über viele Jahre hinweg regelmäßig große Mengen Alkohol trinkt, weiß, dass schon kurze Unterbrechungen des Konsums unangenehme Beschwerden auslösen können. Bei vielen Patienten führen die Entzugserscheinungen trotz großer Entzugsmotivation binnen kürzester Zeit zu einem Rückfall. Doch können sie auch gefährlich sein? Die Antwort lautet: Ja. Denn der Alkoholentzug nach jahrelangem Alkoholmissbrauch ist für Körper und Psyche eine Extrembelastung, die sogar tödlich enden kann.

    Wahnvorstellungen, Krampfanfälle, Halluzinationen – So können nach der Beendigung des Konsums Halluzinationen und Wahnvorstellungen, Krampfanfälle sowie extreme vegetative Symptome auftreten. Weitere mögliche Komplikationen sind Herzrhythmusstörungen und Kreislaufstörungen. Allein, um diese Risiken nicht einzugehen, sollte sich niemand mit einer Alkoholabhängigkeit für einen kalten Entzug entscheiden.

    Sonderfall: Delirium tremens als Folge des Alkoholentzugs – Das Delirium tremens kann als Sonderform des Alkoholentzugssyndroms gewertet werden und kommt normalerweise ausschließlich bei Suchtpatienten mit sehr hohem und lang andauerndem Alkoholkonsum vor. Erstes Anzeichen sind meist verstärkt auftretende vegetative Entzugssymptome, die auch als Prädelir bezeichnet werden. Das Alkoholdelir selbst manifestiert sich dann zwei bis vier Tage nach dem letzten Alkoholkonsum. Betroffene erleben eine Reihe extrem belastender Entzugssymptome.

    Alkoholdelir rechtzeitig erkennen – Patienten mit Alkoholdelir sind oft orientierungslos, leiden unter optischen und/oder akustischen Halluzinationen. In Extremitäten, Gesichtsmuskulatur und Zunge tritt ein starker Tremor auf. Nicht selten erleiden die Betroffenen zudem Krampfanfälle. In Kombination mit vegetativen Dysfunktionen wie Kreislaufinstabilität, starkem Schwitzen und Schwindel kann die Situation lebensgefährlich werden. Unbehandelt endet ein Delirium tremens in mindestens 10 % aller Fälle tödlich3.

    Welche Alkoholentzug-Symptome können auftreten?

    Der chronische Missbrauch von Alkohol kann auf lange Sicht weitreichende körperliche und psychische Schäden verursachen. Wer diese verhindern möchte, kommt um einen Alkoholentzug nicht herum. Die möglichen Entzugserscheinungen wirken jedoch auf viele Betroffene abschreckend und verhindern nicht selten die lebenswichtige Therapie. Umso wichtiger ist es, zu wissen, welche Symptome gegebenenfalls zu erwarten sind.

    Körperliche Symptome beim Alkoholentzug – Die möglichen körperlichen Begleitbeschwerden bei einem Alkoholentzug manifestieren sich in mehreren Bereichen der klinischen Medizin. Internistische Symptome, vegetative Störungen und neurologische Beschwerden können auftreten4. Typisch sind unter anderem:

    • Mundtrockenheit
    • starkes Schwitzen
    • Zittern (Tremor)
    • Muskelschmerzen
    • Kopfschmerzen
    • Magen-Darm-Beschwerden (Durchfall, Übelkeit, Erbrechen)
    • Herz-Kreislauf-Störungen
    • Juckreiz
    • epileptische Anfälle
    • Artikulationsstörungen
    • Ataxie

     

    Viele dieser Entzugserscheinungen sind für die Betroffenen zwar sehr belastend, erweisen sich jedoch nicht als lebensbedrohlich. Trotzdem kann es während der Entgiftung schnell zu einer Situation kommen, in der extreme körperliche Reaktionen auf die Unterbrechung des Alkoholkonsums auftreten. Deshalb werden auch ambulante Entzugsbehandlungen nur dann ärztlich begleitet, wenn keine schweren Symptome zu erwarten sind. Deutlich sicherer sind Suchtkranke während des Entzugs immer in einer Klinik. Hier erfolgt die kontinuierliche Überwachung der Vitalwerte und eine individuelle Medikation zur Linderung der körperlichen Beschwerden.

    Psychische Symptome beim Alkoholentzug – Während die physischen Begleiterscheinungen der Entzugsbehandlung meist binnen einer Woche abklingen, können die psychischen Symptome deutlich länger andauern. Oft sind es auch sie, die den Betroffenen viel mehr Angst vor der Behandlung bereiten als die körperliche Entgiftung. Bekannte psychische Alkoholentzug-Symptome sind:

    • depressive Verstimmung und Depression
    • Angst und Panikattacken
    • Reizbarkeit
    • Unruhe
    • Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen
    • Halluzinationen
    • Bewusstseinsstörungen
    • extremes Verlangen nach dem Konsum von Alkohol

     

    Die depressiven Verstimmungen werden durch den Wegfall des Alkoholeinflusses im Gehirn ausgelöst. Alkohol besitzt manchmal subjektiv eine kurzfristig stimmungsaufhellende Wirkung, an die sich das zentrale Nervensystem gewöhnt. Wird der Alkoholkonsum gestoppt, muss sich das Gehirn erst auf diesen neuen Zustand einstellen. Innerhalb von zwei bis vier Wochen lässt die depressive Stimmungslage bei den meisten Betroffenen jedoch nach. In anderen Fällen ist Depression keine Folge des Entzugs, sondern ein Ergebnis des chronischen Alkoholabusus bzw. die Alkoholsucht-Ursache. Hier ist eine Therapie umso wichtiger.

    Was kann man gegen Alkoholentzug-Symptome tun?

    Eine effektive Behandlung der Alkoholsucht sollte immer in einem professionellen Setting erfolgen. Damit Patienten langfristig mit dem Trinken aufhören, reicht eine körperliche Entgiftung allein nicht aus. Die Betroffenen sollten im Rahmen der Therapie auch eine Alkoholentwöhnung durchführen. Hier arbeiten sie die Ursachen der Erkrankung auf und lernen neue Strategien und Verhaltensweisen im Umgang mit Alkohol kennen. Ein weiterer wichtiger Grund, der für eine professionelle Behandlung spricht: Es existieren verschiedene Möglichkeiten, um körperliche und psychische Entzugserscheinungen zu lindern.

    Medikamente gegen Entzugserscheinungen bei Alkohol – Während einer professionellen Behandlung werden die Vitalwerte der Patienten kontinuierlich überwacht. Dadurch wird es den behandelnden Ärzten möglich, auf Entzugssymptome jederzeit mit der passenden Medikation zu reagieren. Da die in Frage kommenden Medikamente allesamt verschreibungspflichtig und größtenteils auch nur für das stationäre Behandlungssetting zugelassen sind, empfiehlt sich der Alkoholentzug in einer Klinik besonders. Wichtig: Viele Alkoholentzug-Medikamente besitzen selbst ein suchtauslösendes Potenzial und sollten deshalb immer nur nach Absprache mit dem Arzt sowie streng kontrolliert eingenommen werden.

    Therapie gegen Entzugserscheinungen bei Alkohol – Damit Patienten langfristig mit dem Trinken aufhören, ist eine psychische Loslösung vom Alkohol erforderlich. Diese erreichen die Betroffenen meist nur, indem sie die Ursachen für die Alkoholabhängigkeit erkennen und ihr Verhältnis zum Alkohol überdenken. Das geschieht im Rahmen intensiver Psychotherapie. Weitere therapeutische Angebote unterstützen das Ziel, helfen aber auch bei der Linderung von Entzugsbeschwerden. Hierzu gehören beispielsweise Sport- und Bewegungstherapie ebenso wie kreative therapeutische Angebote.

    Weitere Behandlungsoptionen für Entzugserscheinungen bei Alkohol – Treten während der Behandlung einer Alkoholabhängigkeit nach Beendigung des Alkoholkonsums überwiegend leichte bis mittlere Entzugssymptome auf, lassen sich diese häufig sogar ohne Medikamente behandeln. Viele Patienten profitieren neben sportlichen und kreativen Aktivitäten überdies von Entspannungstechniken, Meditation oder Akupunktur. Auch die Neuro-Elektrische Stimulation (NES) kann Linderung verschaffen, indem sie dabei hilft, den Suchtdruck zu verringern sowie den Schlaf und das Wohlbefinden zu verbessern.

    Alkoholentzug-Symptome bei Mischkonsum und Begleiterkrankungen

    Viele Menschen, die sich an einen chronischen Alkoholkonsum gewöhnt haben, entwickeln im Laufe der Zeit weitere, durch den Alkohol ausgelöste Erkrankungen. Diese können Bandbreite und Schwere der Entzugssymptome verändern. Dasselbe gilt, wenn ein Mischkonsum mit weiteren Rauschmitteln vorliegt. Hier kann der Verzicht auf beide oder nur eine der Substanzen schnell zu schweren Komplikationen führen. Deshalb sollten insbesondere Menschen mit Sucht- und Vor- bzw. Begleiterkrankungen immer im Rahmen einer professionellen Behandlung entziehen.

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      Quellenangaben

      1 Soyka, Michael et al. „Alkoholentzugssyndrom”, In: Alkoholismus – Missbrauch und Abhängigkeit, 2008, Georg Thieme Verlag KG, Stuttgart, S. 169 f., DOI: 10.1055/b-0034-34986, https://www.thieme-connect.de/products/ebooks/lookinside/10.1055/b-0034-34986 (Datum des Zugriffs: 19.06.2023)

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