Wie funktioniert der Alkoholabbau im Körper?
Dass Alkohol größtenteils über die Leber abgebaut wird, ist weithin bekannt. Zwischen 90 und 95 % der gesamten Alkoholmenge werden hier verstoffwechselt1. Neben dem sogenannten Alkoholstoffwechsel stehen dem Körper weitere Abbaumechanismen zur Verfügung. Diese sind allerdings begrenzt und nur bedingt geeignet, um große Mengen Alkohol schnell abzubauen.
Alkoholabbau über Haut, Lunge und Urin
Da Alkohol für den Körper eine toxische Substanz ist, versucht der Organismus, diesen so schnell wie möglich loszuwerden. Bei einem geringen Anteil von rund drei Prozent gelingt ihm dies über die Haut, die Lunge und den Urin2. Daher rührt auch die berüchtigte Fahne, die während und nach dem Alkoholkonsum zu bemerken ist: Der Alkohol wird über die Atemluft aus dem Körper befördert. Allerdings wird der Alkohol bei dieser Form des Abbaus nicht verstoffwechselt, sondern direkt ausgeschieden.
Alkoholabbau über die Leber
Den Alkoholabbau über die Leber bezeichnet man auch als enzymatischen Abbau. Er setzt sich aus zwei Phasen zusammen: der Umwandlung von Alkohol zu Acetaldehyd und der Umwandlung von Acetaldehyd zu Acetat.
Umwandlung von Alkohol zu Acetaldehyd
Um den Alkohol verstoffwechseln und dadurch abbauen zu können, nutzt die Leber ein Enzym namens Alkoholdehydrogenase. Dieses wandelt den Alkohol in Acetaldehyd um. Diese Substanz ist für den Körper toxisch. Vor allem, wenn sie über längere Zeit im Organismus verbleibt, etwa weil der Alkoholabbau aufgrund einer großen Konsummenge nicht schnell genug vonstatten geht, verursacht sie unangenehme Symptome. Kopfschmerzen, Übelkeit und andere sogenannte „Kater“-Beschwerden sind typisch. Darüber hinaus kann Acetaldehyd die DNA schädigen und dadurch das Krebsrisiko steigern3.
Umwandlung von Acetaldehyd zu Acetat
In der zweiten Phase des Alkoholabbaus wird das schädliche Acetaldehyd über das Enzym Aldehyddehydrogenase (ALDH) in Acetat (Essigsäure) umgewandelt. Diese Essigsäure ist für den Körper ungefährlich und wird später zu Kohlendioxid und Wasser verstoffwechselt. Wie aktiv und damit leistungsfähig das Enzym ALDH ist, unterscheidet sich von Mensch zu Mensch. Einige Menschen (zum Beispiel große Teile der Bevölkerung im asiatischen Raum) verfügen aufgrund ihrer genetischen Grundlage gar nicht oder nur über sehr geringe Mengen des Enzyms. Der Alkoholabbau läuft bei ihnen empfindlich gestört ab und schon ein geringer Alkoholkonsum kann unangenehme Symptome hervorrufen.
Alkoholabbau durch das mikrosomale Ethanol-oxidierende System (MEOS)
Normalerweise spielt MEOS beim Abbau von Alkohol eine eher untergeordnete Rolle. Je häufiger jedoch größere Mengen getrunken werden, umso stärker ist der Einfluss des Systems. Diese Form des Alkoholabbaus funktioniert über die Aktivierung von Cytochrom P450 2E1. Mit seiner Hilfe werden bei starken Trinkern sogar größere Mengen Alkohol vergleichsweise schnell abgebaut. Der bei Gelegenheitstrinkern befürchtete Kater bleibt oft aus. Gleichzeitig steigt durch den schnellen Abbau von Alkohol die Toleranzgrenze. Es müssen größere Mengen konsumiert werden, um dieselbe Rauschwirkung zu erzeugen. Das erhöht die Gefahr für eine Sucht, die letztendlich nur mit einem Alkoholentzug überwunden werden kann.