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Alkoholabbau: Dauer, Stoffwechselprozesse & mehr

Obwohl die Schädlichkeit und die Wirkung von Alkohol mittlerweile hinlänglich bekannt sind, ranken sich um das Thema Alkohol nach wie vor zahlreiche “Mythen”. Dazu zählt auch die Meinung, dass sich der Alkoholabbau beschleunigen lässt. Grundsätzlich ist es für den menschlichen Körper und insbesondere für die Leber eine große Belastung, den Alkohol abzubauen, die sich nicht einfach durch bestimmte Faktoren verringern lässt. Wie der Alkoholabbau wirklich erfolgt, erfahren Sie im nachfolgenden Beitrag.

Wie funktioniert der Alkoholabbau?

Wer viel Alkohol trinkt, bekommt meist eine sogenannte “Fahne”. Das liegt daran, dass ein geringer Prozentsatz des getrunkenen Alkohols über die Lunge und die Atemluft ausgeschieden wird. Ebenso wird Ethanol über die Haut ausgeschwitzt und durch den Urin abgeführt. Insgesamt werden auf diesen Wegen aber nur zwei bis fünf Prozent des konsumierten Alkohols verstoffwechselt. Der hauptsächliche Alkoholabbau erfolgt über die Leber. Sie ist für den Menschen das wichtigste Organ, wenn es darum geht Promille abzubauen.

Wie wird Alkohol in der Leber abgebaut?

Unabhängig davon, ob jemand ein Glas Wein oder mehrere Flaschen Bier trinkt – Alkohol wirkt immer auf dieselbe Art und Weise. Zunächst wird er oral aufgenommen und geht anschließend ins Blut über. Von dort aus verteilt er sich im gesamten Körper. Das geschieht bei Frauen meist schneller als bei Männern, denn diese verfügen über einen höheren Wassergehalt im Körper. Im Anschluss wird der Alkohol in drei Schritten von der Leber abgebaut:

  1. Umwandlung von Ethanol zu Acetaldehyd
  2. Umwandlung von Acetaldehyd zu Acetat / Essigsäure
  3. Abtransport von Acetat

Aus chemischer Sicht handelt es sich bei den Umwandlungsprozessen im ersten und zweiten Schritt um Oxidationen. Das bedeutet, dass Sauerstoff an den Schritten beteiligt ist. Darüber hinaus kommen verschiedene Enzyme zum Einsatz. Bei der Umwandlung von Alkohol zu Acetaldehyd ist es das Enzym Alkoholdehydrogenase, welches auch als ADH bezeichnet wird. Unter Einwirkung der Alkoholdehydrogenase verwandelt sich der reine Alkohol in Acetaldehyd (Ethanal). Hierbei handelt es sich jedoch um einen Stoff, der für den Körper extrem giftig ist. Experten gehen davon aus, dass es vor allem diese Substanz ist, die den unangenehmen Kater am nächsten Tag verursacht.

Der Abbau von Ethanal erfolgt über das Enzym Aldehyddehydrogenase, das auch als ALDH bekannt ist. Dieses wandelt das toxische Acetaldehyd in ungefährliches Acetat bzw. Essigsäure um. Die ALDH-Menge differiert von Konsument zu Konsument, so dass auch die Nachwirkungen eines Rausches unterschiedlich stark ausgeprägt sein können. Bei zahlreichen Menschen im asiatischen Raum fehlt das Enzym aufgrund einer genetischen Abweichung nahezu komplett, so dass es bereits bei geringen Alkoholmengen zu Vergiftungserscheinungen und dem sogenannten Flush-Syndrom kommen kann.

Im letzten Schritt wird die Essigsäure in Kohlendioxid und Wasser umgewandelt und in die Atmungskette eingespeist. Das Kohlendioxid wird ausgeatmet und das Wasser über den Urin aus dem Körper ausgeschieden.

Bei erhöhtem Alkoholkonsum werden neben dem ADH-System zwei weitere Enzym-Systeme aktiviert: Das sogenannte MEOS oder auch Cytochrom P450-System und das Katalase-System. Insbesondere das MEOS-System beschleunigt den Alkoholabbau und sorgt im Falle einer Alkoholsucht für einen gesteigerten Alkoholstoffwechsel und eine erhöhte Toleranz.

Wie wirkt Alkohol in der Leber?

Ein regelmäßig erhöhter Alkoholgebrauch kann die Leber dauerhaft schädigen. Eine typische alkoholbedingte Lebererkrankung ist die Fettleber, bei der sich in der Leber überschüssiges Fett, welches aus dem Abbau der Alkohol-Kalorien resultiert, einlagert. Die Leber vergrößert sich und färbt sich weiß. Dennoch kann sie sich noch vollständig regenerieren, wenn auf Alkohol verzichtet oder zumindest die Trinkmenge deutlich reduziert wird.

Die Fettleber kommt nicht nur bei einem hohen Gebrauch von Alkohol vor, sondern tritt auch bei kontinuierlicher Überernährung, Medikamentenmissbrauch oder einer genetisch bedingten Störung im Fettstoffwechsel auf. Zu den typischen Symptomen einer derartigen Schädigung der Leber gehören:

  • Gelbfärbungen von Haut und Augen
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Schmerzen im Oberbauch

Wird weiter getrunken, kann sich die Fettleber zu einer Fibrose und später zu einer Leberzirrhose ausbilden. Folgen einer Fibrose sind Entzündungen, Zellzerstörungen und die Bildung von Narbengewebe. Schlimmstenfalls kommt es zu einer Leberzirrhose, d. h. einer Verhärtung und Schrumpfung des Organs. Daher spricht man auch von einer Schrumpfleber. Eine Leberzirrhose ist irreversibel, was bedeutet, dass sie im Gegensatz zu einer verfetteten Leber nicht wieder rückgängig gemacht werden kann. Am Anfang verläuft sie symptomfrei, im fortgeschrittenen Stadium treten Konzentrations- und Leistungsstörungen, Ödeme, eine verminderte Immunabwehr und eine starke Müdigkeit auf.

Wie viel Alkohol wird pro Stunde abgebaut?

Anders als bei Medikamenten gibt es beim Abbau von Alkohol keine konkrete Halbwertszeit, da die Verstoffwechselung linear erfolgt. Darüber hinaus können der individuelle Gesundheitszustand, die getrunkene Menge und das Körpergewicht eine Rolle spielen, wie schnell der Alkoholabbau vonstattengeht. Für gewöhnlich ist jedoch von einem Wert von rund 0,1 Promille pro Stunde auszugehen, wobei Männer stündlich etwas mehr Promille abbauen als Frauen. Je höher der Alkoholgehalt im Blut, umso mehr Promille werden pro Stunde abgebaut. Der Maximalwert liegt bei 0,2 Promille Alkohol pro Stunde.

Was beschleunigt den Alkoholabbau?

Zu den bekanntesten Empfehlungen, um schneller Alkohol abzubauen, zählen:

  • Frische Luft
  • Starker Kaffee
  • Kalte Dusche
  • Wasser trinken
  • Schwitzen
  • Spaziergang oder Sport

Wer den Promillewert im Blut senken will, kann sich mit den obigen Tipps zwar Linderung bei den typischen Nebenwirkungen eines übermäßigen Alkoholkonsums verschaffen – weniger Promille im Blut hat er dadurch aber nicht. Viel Wasser zu trinken, einen Kaffee zu sich zu nehmen oder eine Runde an der frischen Luft spazieren zu gehen, mag zwar Körper und Geist beleben, die Menge Alkohol, die im Blut zirkuliert, bleibt jedoch dieselbe. Auch die Aufnahme fettiger Nahrung vor dem Trinken kann dafür sorgen, dass die mit dem Alkoholabbau verbundenen Begleiterscheinungen als weniger stark empfunden werden. Grundsätzlich beschleunigen lässt sich der Abbau von Alkohol allerdings nicht, mehr als 0,2 Promille pro Stunde sind nicht möglich. Wer erfahren möchte, wie hoch der Promillewert im Blut ungefähr ist, kann auf die Widmark-Formel zurückgreifen, die wir im Beitrag Alkohol und Promille ausführlich beschrieben haben.

Weshalb sollte eine erhöhte Alkoholtoleranz unbedingt vermieden werden?

Eine erhöhte Alkoholtoleranz ist häufig ein elementarer Bestandteil einer manifesten Alkoholabhängigkeit. Der Körper hat sich aufgrund des ständigen Alkoholkonsums bereits an die Wirkung von Ethanol gewöhnt und benötigt immer größere Mengen, um dieselben Effekte zu spüren. Gleichzeitig erhöht sich die Abbaugeschwindigkeit des Alkohols durch die oben beschriebenen Abbausysteme, so dass die Betroffenen trotz großer Konsummengen kaum Vergiftungserscheinungen aufweisen. Dennoch kann der etwas schnellere Abbau von Alkohol nicht vor Folgekrankheiten oder negativen sozialen Auswirkungen schützen. Wenn Sie bemerken, dass die Trinkmenge immer weiter steigt, ist es also höchste Zeit, sich über eine mögliche Alkoholkrankheit und einen Alkoholentzug ernsthafte Gedanken zu machen. Erste Anlaufstellen für eine Suchttherapie sind der behandelnde Arzt, ambulante Suchtberatungsstellen oder spezialisierte Suchtkliniken.

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