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Nikotin und Alkohol: Ein eng verknüpftes Duo

Für viele Menschen gehören Alkohol und Zigaretten untrennbar zusammen. So geben Studien zufolge rund 90 % aller Alkoholabhängigen an, dass sie zusätzlich zum Alkoholkonsum gerne zum Glimmstängel greifen. Oftmals können sich viele ehemalige Alkoholiker selbst nach einem professionellen Alkoholentzug nicht vom Nikotin lösen und benötigen zusätzliche Unterstützung, um mit dem Rauchen aufzuhören. Die Gründe hierfür liegen in der synergistischen Wirkung beider Suchtmittel.

Nikotin und Alkohol: Weshalb ist der Mischkonsum so beliebt?

Nikotin und Zigaretten: Warum ist es so beliebt?Wenn Bier, Wein oder andere alkoholische Getränke getrunken werden, steigt zugleich die Häufigkeit, mit der zur Zigarette gegriffen wird. Das gilt sowohl für regelmäßige Raucher als auch für Menschen, die sich eigentlich als Nichtraucher bezeichnen würden und nur selten eine Zigarette rauchen. Schließlich gibt es nicht umsonst die Bezeichnungen “Partyraucher” oder “Gelegenheitsraucher”.

Der Grund für die gegenseitige Anziehungskraft beider Substanzen ist in ihrem Zusammenspiel im zentralen Nervensystem (ZNS) zu suchen. Beide Stoffe überwinden die Blut-Hirn-Schranke, lösen die Ausschüttung des Glückshormons Dopamin aus und fördern auf diese Weise Entspannung und Geselligkeit. Wer eine Zigarette raucht oder ein alkoholhaltiges Getränk zu sich nimmt, aktiviert aber nicht nur die Hormonausschüttung, sondern setzt parallel eine Art Erinnerungsvorgang im Gehirn in Kraft, der darauf verweist, dass auch der jeweils andere Stoff positive Gefühle auszulösen vermag. Dieser Vorgang läuft unterbewusst ab und äußert sich meist im sogenannten “Schmacht”. So bekommen Biertrinker plötzlich Lust auf eine Zigarette und umgekehrt. Tatsächlich führt die Kombination aus Nikotin und Alkohol jedoch nicht zum gewünschten Ergebnis. Anstatt die Ausschüttung von Dopamin zu verstärken, wird diese beim zeitgleichen Konsum der Rauschmittel blockiert. Die Folge ist ein Teufelskreis, bei dem immer weiter geraucht und getrunken wird.

Darüber hinaus besitzt Ethanol eine schlaffördernde Wirkung und macht müde. Je mehr man trinkt, umso schläfriger wird man. Nikotin hingegen wirkt antriebssteigernd. So ist es durchaus nachvollziehbar, dass sich viele Menschen, die gern eine ganze Nacht lang durchfeiern, häufig eine Zigarette nach der anderen anstecken, um ihre alkoholbedingte Müdigkeit zu überwinden.

Studien zufolge läuft die Umwandlung von Ethanol zum Abbauprodukt Acetaldehyd (Ethanal) im Körper schneller ab, wenn diesem zur selben Zeit Nikotin zugeführt wird. Das bedeutet, dass ein Raucher mehr trinken kann, bevor er sich betrunken fühlt, und erklärt, warum gerade Raucher besonders viel Alkohol konsumieren. Allerdings bedeutet die beschleunigte Umwandlung von Ethanol zu Acetaldehyd nicht, dass das Ethanol komplett abgebaut ist. Vielmehr ist Acetaldehyd nur ein Zwischenprodukt des Alkoholabbaus und aufgrund seiner hohen Toxizität ganz besonders schädlich für den menschlichen Organismus. Durch den gleichzeitigen Konsum von Alkohol und Zigaretten verbleibt Ethanol länger im Körper als üblich und kann daher größere Folgeschäden verursachen als ein alleiniger Alkoholkonsum.

Welche Folgen haben Nikotin und Alkohol für den menschlichen Organismus?

Es ist hinlänglich bekannt, dass psychotrope Substanzen (Stoffe, die auf die Psyche einwirken) die Belastung für die eigene Gesundheit enorm erhöhen. Schon einzeln konsumiert, steigen bei Alkohol und Nikotin sowohl das Krebsrisiko als auch die Wahrscheinlichkeit für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Ebenso werden die Haut, Zähne und innere Organe wie Leber und Lunge in Mitleidenschaft gezogen. Noch schlimmer wird es für Betroffene jedoch, wenn beide Stoffe gemeinsam eingenommen werden. So muss ein Erwachsener, der täglich wenigstens 25 Gramm reinen Alkohol trinkt oder mindestes eine Zigarette raucht, mit einer zweifach erhöhten Wahrscheinlichkeit rechnen, an Speiseröhrenkrebs zu erkranken. Trinkende Raucher sind mit einem zwölfmal so hohen Risiko für die Entstehung von Speiseröhrenkrebs belastet. Beide Stoffe können das Leben demnach dramatisch verkürzen. Je häufiger sie dem Körper gemeinsam verabreicht werden, umso gravierender sind die Auswirkungen auf den ganzen Körper.

Was bewirken Alkohol und Nikotin in der Schwangerschaft?

Während der Schwangerschaft wirken viele, von der Mutter konsumierte Stoffe auf das ungeborene Kind im Mutterleib ein. Schwangere, die rauchen und trinken, schaden nachweislich ihrem Baby und riskieren, dass dieses mit gesundheitlichen Folgeschäden, wie zum Beispiel einem fetalen Alkoholsyndrom auf die Welt kommt. Schon Kleinstmengen an Nikotin und Alkohol können die gesunde Entwicklung des Kindes negativ beeinflussen. Entgegen der oftmals immer noch herrschenden Auffassung sollten demzufolge ein gelegentliches Glas Rotwein oder das Rauchen von Zigaretten oder E-Zigaretten absolut tabu sein.

Schließlich wird das Ungeborene über die Plazenta und Nabelschnur von der werdenden Mutter versorgt. Neben Nährstoffen und Antikörpern können auf diesem Wege auch Giftstoffe übertragen werden, die im Blutkreislauf des ungeborenen Babys über einen deutlich längeren Zeitraum hinweg zirkulieren als im Körper der Schwangeren. In der Folge kommt es dazu, dass Babys mit Organschäden oder körperlichen sowie geistigen Behinderungen auf die Welt kommen oder wegen Entzugserscheinungen auf der Neugeborenen-Intensivstation behandelt werden müssen.

Sollten Alkohol- und Nikotinentzug kombiniert werden?

Starke Raucher und regelmäßige Trinker haben es meist besonders schwer mit dem Konsum der Rauschstoffe aufzuhören. So ist der Alkoholentzug härter, wenn der Betroffene zugleich dem Tabakkonsum entsagen möchte oder der Raucher im Rahmen eines Entzugs auf sein tägliches Bier verzichten soll. Menschen, die von beiden Süchten betroffen sind und entziehen möchten, sollten daher unbedingt einen stationären Entzug in einer Suchtklinik in Erwägung ziehen. Schließlich besteht hier die Möglichkeit, die Entzugserscheinungen während der Entgiftung durch eine adäquate Medikation zu lindern und den Patienten bei Motivationsdurchhängern psychotherapeutisch aufzufangen.

Darüber hinaus ist bekannt, dass es nach der Beendigung einer Sucht in vielen Fällen zu einer sogenannten Suchtverlagerung kommen kann, bei der das Suchtmittel durch eine andere Substanz ersetzt wird. Besteht von vornherein eine Mehrfachabhängigkeit von Nikotin und Alkohol, ist das Risiko besonders groß, nach der Beendigung vermehrt auf den anderen Suchtstoff umzusteigen. Eine kombinierte Entzugstherapie minimiert das Risiko, dass die Sucht durch die synergistische Wirkung des “Gegenspielers” wieder aufflackert. So kommen trockene Alkoholiker nicht in die Versuchung, durch das Rauchen erneut zu trinken und ehemalige Raucher werden nicht durch den Konsum von Alkoholika rückfällig. Die Betroffenen müssen das Entzugssyndrom durch einen parallelen Alkohol- und Nikotinentzug nur ein einziges Mal durchstehen und haben deutlich größere Chancen, auch langfristig abstinent zu bleiben.

In der My Way Betty Ford Klinik schließt sich an die körperliche Entgiftung von Alkohol und Nikotin eine umfangreiche Entwöhnung an, in der die psychischen Ursachen der Alkoholsucht bzw. Nikotinsucht durch eine umfangreiche Psychotherapie aufgearbeitet werden. In wöchentlich 5 Einzel- und Gruppentherapien werden neue, konstruktive Verhaltenstherapien erlernt, die es den Suchtkranken ermöglichen, mit dem schädlichen Substanzgebrauch aufzuhören. Ebenso zum Entzug gehören eine Rückfallprophylaxe und die Erstellung eines Nachsorgekonzepts.

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