Alkoholmissbrauch

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Aktualisiert am: 31.07.2023
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Alkoholmissbrauch: alles Wichtige in 30 sec.

  • Alkoholmissbrauch ist Alkoholkonsum, der Körper und Psyche schädigt.
  • Die Grenze zur Alkoholsucht verläuft meist fließend.
  • Aus einem missbräuchlichen Konsum kann sich schnell eine Abhängigkeit entwickeln.
  • Hoher Alkoholkonsum kann auch ohne Suchtcharakter zu Herz-Kreislauf-, Magen-Darm- oder Krebserkrankungen führen sowie Gehirn und Psyche nachhaltig schädigen.
  • Betroffene sollten ihre Trinkmenge reduzieren und sich ggf. professionelle Hilfe suchen.
Inhalt

    Was ist Alkoholmissbrauch?

    Alkoholmissbrauch wird im ICD-10, dem internationalen Diagnosemanual, auch als schädlicher Gebrauch von Alkohol bezeichnet. Es handelt sich hierbei um eine Form des Alkoholkonsums, die körperliche und/oder psychische Schäden hervorruft und langfristig in eine Alkoholabhängigkeit führen kann. In Österreich ist davon auszugehen, dass ungefähr jeder fünfte Erwachsene regelmäßig so viel Alkohol trinkt, dass ein erhöhtes Risiko für gesundheitliche Schäden besteht1.

    Worin besteht der Unterschied zwischen Alkoholmissbrauch und Sucht?

    Die Begriffe Alkoholsucht und Alkoholmissbrauch werden oft synonym verwendet, bezeichnen jedoch zwei unterschiedliche Phänomene. Zwar werden beide im ICD-10 in der Kategorie „Psychische und Verhaltensstörungen durch psychotrope Substanzen“ geführt, allerdings beziehen sie sich auf verschiedene Diagnosen. Während der Alkoholmissbrauch per Definition als Gebrauch, der zu psychischen oder körperlichen Schäden führt, beschrieben wird, ist das Abhängigkeitssyndrom durch mehrere Kriterien gekennzeichnet 2:

    • starkes Verlangen, Alkohol zu trinken
    • Kontrollverlust bezüglich der Konsummenge und der Konsumdauer
    • anhaltender Alkoholkonsum trotz schädlicher Folgen
    • wachsende Fokussierung auf den Alkoholkonsum als Lebensmittelpunkt
    • Toleranzentwicklung
    • Ausbildung eines körperlichen Entzugssyndroms

    Vereinfacht gesagt, ist der schädliche Gebrauch von Alkohol noch nicht mit einem Suchtcharakter verbunden. Das bedeutet, dass die Betroffenen noch jederzeit mit dem Trinken aufhören können. Wird der missbräuchliche Konsum jedoch weitergeführt, besteht ein hohes Risiko, dass sich über kurz oder lang eine Abhängigkeit ausbildet.

    Wann spricht man von Alkoholmissbrauch?

    Alkohol zu trinken, gehört für viele Erwachsene, aber auch für immer mehr Jugendliche zum Alltag. Die Zahl der Menschen, die nie oder fast nie Alkohol konsumieren, ist gering: Nur 14 Prozent aller erwachsenen Österreicher trinken nie oder äußerst selten Alkohol (primär, fast oder sekundär abstinent)3. Doch ist wirklich jede Form des Konsums direkt mit dem Risiko einer Sucht verknüpft? Das österreichische Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz gibt unter Verweis auf den Health Education Council von 1984 verschiedene Grenzwerte nach Gefährdungsstufen an4:

     Harmlosigkeitsgrenze Alkoholkonsum

    • Männer: ungefähr 0,6 Liter Bier und 0,3 Liter Wein pro Tag.
    • Frauen: maximal 0,4 Liter Bier und 0,2 Liter Wein

    Gefährdungsgrenze Alkoholkonsum

    • Männern: 1,5 Liter Bier und 0,75 Liter Wein pro Tag
    • Frauen: mehr als 1,0 Liter Bier oder 0,5 Liter Wein täglich.

    Alkoholkonsum-Grenzwerte vermitteln trügerische Sicherheit

    Obwohl die vorgegebenen Grenzen relativ großzügig bemessen wirken – die Ausbildung einer Abhängigkeit verläuft immer individuell. Grundsätzlich besteht dementsprechend auch bei einer Trinkmenge unterhalb der Gefährdungsgrenze das Risiko, erste Anzeichen einer Sucht auszubilden. Zudem ist auch ein moderater Alkoholkonsum mit einem höheren Risiko für bestimmte Erkrankungen assoziiert5. Mit einem Online-Alkoholsucht-Test kann man prüfen, ob man suchtgefährdet ist.

    Wie gefährlich ist Alkoholmissbrauch?

    Alkohol ist eine toxische Substanz, die für Körper und Psyche des Menschen gravierende Folgen haben kann. Die meisten schädlichen Auswirkungen manifestieren sich erst beim langfristigen Konsum, andere können hingegen schon nach kurzer Zeit auftreten. Der obligatorische „Kater“ am nächsten Morgen ist da noch relativ harmlos.

    Mögliche körperliche Folgen des Missbrauchs von Alkohol

    Wer regelmäßig zu viel trinkt, schädigt den eigenen Körper gleich auf mehreren Ebenen. So besteht nicht nur die Gefahr, früher oder später eine Alkoholabhängigkeit zu entwickeln, Betroffene leben auch mit einem erhöhten Risiko für6:

    • Herz-Kreislauf-Erkrankungen
    • Leberschäden
    • Krebserkrankungen
    • Magen-Darm-Erkrankungen
    • Bauchspeicheldrüsenentzündung
    • Erkrankungen des Nervensystems
    • Gehirnschäden

     Mögliche psychische Folgen des Missbrauchs von Alkohol

    Wer Alkohol missbräuchlich in großen Mengen konsumiert, schadet langfristig Körper und Geist. Soll heißen: Auch die Psyche kann durch die permanente Zufuhr der psychotropen Substanz beeinträchtigt werden. Das liegt unter anderem daran, dass der Alkoholkonsum direkte Auswirkungen auf die chemische Balance im zentralen Nervensystem hat. Dadurch kann es zu folgenden Nebenwirkungen kommen:

    • depressive Verstimmungen
    • Angst- und Panikattacken
    • Persönlichkeitsveränderungen
    • Stimmungsschwankungen
    • Psychosen

    Mögliche soziale Folgen des Missbrauchs von Alkohol

    Betroffene, die regelmäßig mehr Alkohol trinken, als Körper und Psyche verkraften können, riskieren nicht nur Erkrankungen in Gehirn, Herz-Kreislauf-System und Magen-Darm-Trakt – oftmals müssen sie sich auch mit sozialen Folgen ihres missbräuchlichen Alkoholkonsums auseinandersetzen. Denn große Mengen Alkohol können die Leistungsfähigkeit der Betroffenen einschränken. Sie werden im Job oder gegenüber der Familie unzuverlässig, ziehen sich zunehmend zurück und geraten so immer stärker in eine Abwärtsspirale, an deren Ende häufig die Alkoholabhängigkeit steht.

    Was kann man gegen Alkoholmissbrauch tun?

    Besonders schädlich ist der regelmäßige Alkoholkonsum bei jungen Menschen und Kindern. Daher sollten Jugendliche alkoholische Getränke und Alkopops nach Möglichkeit meiden, Kinder dürfen gar keinen Alkohol trinken. Leider sieht die Wirklichkeit in Deutschland ganz anders aus. Schließlich ist das Austesten von Alkohol und das Überschreiten von Grenzen bei vielen Jugendlichen während der Pubertät völlig normal.

    Ein hoher Alkoholkonsum ist nicht zwangsläufig eine Einbahnstraße, die unmittelbar zur Abhängigkeit führt. Denn Betroffene haben jederzeit die Möglichkeit, sich etwa mithilfe einer Alkoholtherapie vom gefährlichen Konsummuster zu lösen. Um den Alkoholkonsum zu beenden, bedarf es jedoch für viele von ihnen professioneller Unterstützung – selbst dann, wenn sich noch keine Abhängigkeit ausgebildet haben. Folgende Anlaufstellen und Behandlungsmöglichkeiten stehen Betroffenen offen.

    Ambulante Intervention beim Hausarzt

    Die ambulante Intervention beim Hausarzt, idealerweise in Kooperation mit Suchtambulanzen oder anderen professionellen Einrichtungen der Suchthilfe, ist ein niedrigschwelliges Angebot, das sich an Menschen richtet, bei denen noch keine Alkoholsucht vorliegt. Hier werden Betroffene dabei unterstützt, den regelmäßigen Alkoholkonsum zu reduzieren bzw. zu beenden oder die nötige Entzugsmotivation aufzubringen, um einen stationären Entzug durchzuführen.

    Beratung in einer Beratungsstelle

    Österreichweit existieren zahlreiche Sucht- und Drogenberatungsstellen, deren Angebote sich sowohl an Erwachsene als auch an Jugendliche (und Kinder) richten. Hier erhalten Betroffene, die etwas an ihrem Alkoholkonsum ändern möchten, nützliche Informationen und Unterstützungsangebote.

    Entzug in einer Suchtklinik

    Wer es aus eigener Kraft nicht schafft, das eigene Konsummuster zu durchbrechen und befürchtet, über kurz oder lang in eine Alkoholsucht zu rutschen, kann auch einen stationären Aufenthalt in einer Suchtklinik in Erwägung ziehen. Denn wenn eine selbstständige Reduktion der Trinkmenge nicht mehr gelingt, besteht das Risiko, dass bereits eine Alkoholabhängigkeit vorliegt. In diesem Fall bieten sich private Entzugskliniken als Anlaufstelle besonders an: Hier werden Entgiftung und Entwöhnung parallel durchgeführt, sodass die Patienten sich nicht nur körperlich, sondern auch psychisch aus ihren Konsumgewohnheiten befreien können.

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      Quellenangaben

      Quellenliste

      1 Österreichische Dialogwoche Alkohol „Zahlen & Fakten“, https://www.dialogwoche-alkohol.at/wissen/zahlen-fakten/(Datum des Zugriffs: 09.01.2023)

      2 ICD-10 „Kapital V Psychische und Verhaltensstörungen (F00-F99) – Psychische und Verhaltensstörungen durch psychotrope Substanzen (F10-F19)“, DIMDI medizinwissen – Deutsches Institut für Medizinische Dokumentation und Information, https://www.dimdi.de/static/de/klassifikationen/icd/icd-10-gm/kode-suche/htmlgm2013/block-f10-f19.htm(Datum des Zugriffs: 09.01.2023)

      3 Bachmayer, Sonja et al. „Handbuch Alkohol – Österreich“ Band 1: Statistiken und Berechnungsgrundlagen 2021, Wien, Dezember 2021, S. 56, https://www.sozialministerium.at/Themen/Gesundheit/Drogen-und-Sucht/Alkohol/Handbuch-Alkohol-Oesterreich.html (Datum des Zugriffs: 09.01.2023)

      4 ebd. S. 11 f.

      5 DHS Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V. „Wie sollten Menschen mit Alkohol umgehen, um Gesundheitsrisiken zu verringern?“ Stellungnahme der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen e.V., https://www.dhs.de/fileadmin/user_upload/pdf/dhs-stellungnahmen/DHS_Stellungnahme_Umgang_mit_Alkohol.pdf

      6 Gesundheit.GV.AT Öffentliches Gesundheitsportal Österreichs „Alkoholabhängigkeit: Symptome und Ursachen“, https://www.gesundheit.gv.at/krankheiten/sucht/alkoholismus/folgen.html (Datum des Zugriffs: 09.01.2023)

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